Karten und Tatortskizzen in Kriminalromanen

Wie du in meinem Blogartikel “Die Geschichte von Karten in Büchern” nachlesen kannst, gab es Karten in Büchern lange, bevor es Fantasy-Bücher gab. Doch gab und gibt es auch Krimis mit Karten? Welche Vorteile haben Karten in Krimis? Und solltest du eine Karte in deinen Krimi packen? Die Antworten auf diese Fragen erhältst du in diesem Blogartikel.
Inhalt
Die Geschichte von Karten in Krimis
Krimi ist eines der Genres, die sehr früh vor allem Grundriss-Pläne / Tatort Skizzen-integriert haben. Als der erste moderne Krimi mit einer Tatort-Skizze gilt “The Notting Hill Mystery” von Charles Felix, welcher 1862/63 zum ersten Mal erschienen ist.
So richtig kamen Karten Anfang/Mitte 20. Jahrhundert auf. So hatten viele von Agatha Christies Krimis eine oder gar zwei Grundrisskarten. In “The Famous Cases of Dr. Thorndyke” von R. Austin Freeman gibt es mehrere Illustrationen, unter welchen auch Grundrisse und Raumansichten sind.
Ab 1943 veröffentlichte Dell Books sogenannte Dell Mapbacks. Das sind Taschenbücher, die auf der Rückseite eine Illustration – meist eine Karte – enthalten. Die meisten dieser Bücher waren Krimis. Diese Mapbacks gab es jedoch nur in Nord Amerika und sie wurden nicht übersetzt. Im Deutschsprachigen Raum setzte sich die Variante mit den Plänen im Buch durch.
Hier siehst du die Rückseiten von drei Krimi-Mapbacks. Wie du siehst, sehen die alle ganz unterschiedlich aus. Die ganz links zeigt einen Ausschnitt von Schottland. Sie ist sehr schlicht gehalten und die wichtigen Orte der Geschichte sind beschriftet. Die Karte zeigt, dass sich die Geschichte in einem grossen Gebiet abspielt. Eine Möglichkeit wäre, dass die Geschichte hinter dem Fall sich an diesen Orten abgespielt hat. Oder es könnte sich um eine Verfolgungsjagd handeln.
Im mittleren Bild ist die Stadt Los Angeles abgebildet. Diesmal sind die wichtigsten Orte mit einer Zahl markiert und mit einer Legende beschriftet. Mir ist aufgefallen, dass Ort 5 Mrs. Havers hide-out heisst. Heisst die Gute versteckt sich oder etwas dort. Vielleicht ist sie eine Verdächtige, oder sie will jemanden schützen, oder sie ist das Opfer und versteckt sich vor dem Täter…
Bei der Karte ganz rechts sieht man ein Hochhaus. Im 16. Stock wurde das Dach nicht dargestellt, damit man den Grundriss sehen kann. Aus dieser Karte lese ich, dass die Geschichte hauptsächlich innerhalb des Hochhauses bzw. im 16. Stock und auf dem Dach von diesem abspielt. Die Balkone des 15. Stocks und die Terrasse des Zimmers 608 scheinen auch wichtig zu sein, sonst wären sie nicht angeschrieben.
Seither gibt es immer mal wieder Krimis mit Karten. Wie Sissis letzte Reise (2018) oder The strange House (2025). Doch zu den meisten Krimis gibt es keine Karte.
Was wollen Autoren wie Agatha Christie mit den Tatort-Skizzen und Stadtplänen erreichen?

Sie wollten nicht einfach nur dem/der Leser/in einen Überblick geben. Sie wollen, dass die Ermittlungen nachvollziehbar werden und sie wollen einem die Möglichkeit geben, mitzurätseln, den Täter “selbst” zu überführen. Der/die Ermittler/in soll keinen Vorteil gegenüber dem/der Leser/in haben. So erzählt das Buch nicht nur eine Geschichte, sondern wird auch zu einem spielerischen Erlebnis.
Eine Karte kann natürlich auch ein Marketing-Instrument sein. Da nur wenige Krimis mit Karten oder Grundriss-Plänen gibt, hebt man sich mit einer Karte direkt von den anderen ab. Das hat bei den Dell Mapbacks sehr gut funktioniert. Weil die Karte auf der Rückseite sehr herausgestochen ist in der damaligen Zeit und sie gesammelt werden konnten. Das kannst du in der heutigen Zeit eher nicht erreichen. Doch…
Was kann eine Karte für deinen Krimi tun?
Am stärksten wirkt deine Karte, wenn du deine Leser mitraten lassen willst. Du kannst Hinweise darin verstecken und dem Leser die Möglichkeit geben sich an der Aufklärung zu beteiligen. Das passt nicht zu deinem Krimi, etwa weil du zum Beispiel mehr in die Psychologie des Täters abtauchst als in die Umgebung, um den Fall zu lösen? Auch dann kann eine Karte dein Buch aufwerten. Sie gibt dem Leser auch dann eine Übersicht, wo sich deine Figuren bewegen und in welchem Rahmen deine Geschichte spielt.
Fazit
Es sind nur ausgewählte Krimis, die eine Karte enthalten. Meist weil der/die Autor/in möchte, dass der Leser mitraten kann. Doch eine Karte hat viele Vorteile. Hat dein Krimi demnächst eine Karte?



